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3 1/2” x 5 1/2”
charcoal, resin stick on paper (postcard)
7.2013
w. tucker
wtucker-art.com
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Free Wheeler, 1955. / Oil, crayon and pencil on canvas. 174 x 190 cm. Cy Twombly.
Alfred Wallis (1855 -1942) Boat on a Cigarette Packet via New Craftsman Gallery
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Hans Jürgen von der Wense
Hans Jürgen von der Wense
»Sie fragen mich, wer ich sei. Ich will es Ihnen ganz offen sagen: ich bin nichts, garnichts. Ich bin nur ein Dichter und das heisst ein Mensch und das heisst ein Rebell! Ich habe nie etwas gelernt, nie etwas dauernd verdient, niemals Steuern gezahlt, habe auch obwohl ich ein Deutscher bin, keinerlei Titel – man nennt oder schimpft mich einen Privatgelehrten: das letzte Exemplar dieser heute ausgestorbenen Gattung, also ein Fabeltier – die Wahrheit ist, dass ich ein Mensch bin, der in seiner Zeit keinen Raum findet und der sehn muss, wie er unter verschiedenen Masken davonkommt«Jürgen von der Wense, zitiert bei Niehoff/Bertoncini 2005, S. 9
via
Hans Jürgen von der Wense, Von Aas bis Zylinder, Bd. I. Frankfurt am Main 2005

.. Ich schreibe jeden tag spielend leicht ohne etwas durchzustreichen seiten, gestern über Seneka, der mir wieder sehr nahesteht, über die Ariadne, über Massenet, über papierformat, über inneres hören-sehen, über mensch als maß, über einrichtung von beichtstühlen, über ewiges leben im diesseits, über hinrichten, über Valéry, über das weltbewusstsein usw…. das so 10 stunden am tag und das alles nun ins reine schreiben, welch ungeheure fast vermessene arbeit!!!!  …   31. Januar 1964  Mir ward offenbar, dass es neben der geschriebenen, gedruckten »Literatur« seit Jahrtausenden eine ungeschriebene, viel viel höhere Dichtung gibt, in der sich jene andre, die unser bisheriger Massstab ist, gänzlich verliert oder wie verdunstet. Die Schöpfungsmythe der Uitoto in Kolumbien, der ägyptische “Lebensmüde”, die älteste Dichtung der Menschheit, 3000 Jahre vor Homer und so modern wie von morgen (ich gab sie vor einigen Jahren in einer Zeitschrift an Tag), die Sprüche der Afrikaner, die Preisgesänge der irischen Barden aus dem 5. Jahrhundert - niemand kennt das alles bis auf ein paar tüftelige seelenkarge Gelehrte und Antiquare, die alle Schatzvergräber mehr als Schatzgräber sind. Das alles habe ich wiederentdeckt wie antike Statuen, mit Ehrfurcht entstaubt, frisch bemalt, aufgestellt, beschriftet und meinem Volke geschenkt. Nach 35 Jahren hingehendster Abmühe ist das ganze Werk da. Ich muss es nur ausschreiben.  ….    - und so begann am 8. Mai 1931 mein drittes und höchstes Leben. Ich sah, was allerdings zum Seltsamsten gehört was man in Deutschland sehen kann: den Desenberg, und auf einmal, eben jetzt, fing ich überhaupt an wirklich zu sehen - dabei kam ich doch aus den Alpen, gewohnt, Dreitausender zu besteigen -….  Und so bin ich denn über diese ganzen Jahre gewandert, ruhelos, unerkannnt und wie Wodan: es gibt zwischen Lippe und Main keinen Ort, keinen Bach, keinen Hügel, den ich nicht kenne, seine Geschichte, seine Geologie - ein Werk von 180 Foliomappen zu je 100 Blättern, hier steht es! Noch ungeschrieben, Dichtung und Forschung in eins. ….. - garnicht zu reden von meinen sippengeschichtlichen Funden, die wahre Fantastika sind: Ernst Robert Curtius in Bonn war entsetzt, als ich ihm erwies, dass er ein Vetter von Molotow sei. Das Merkwürdigste, auch Schönste, was ich in Europa kenne, ist Marsberg an der Diemel, wo noch Abraumhalden aus der Broncezeit liegen und ein unterirdisches mystisches Labyrinth unter der Stadt begehbar, doch nie begangen. Was alles nicht mehr Gegenstand eines Briefes sein kann. Mein Werk, eine Inventarisation insgesamt, ist und ich bin ietzt rund 27 000 km dafür gelaufen. ….. 16. Oktober 1963  Ich las jetzt 25 Bände  des Holländischen ‘Castrum Peregrini’ …30. Januar 1950  Inzwischen schrieb ich die Gesänge der Akamba nieder, die ich jüngst übertrug, ein Volk am Kilimandscharo … ..28. Februar 1948  stille versunkenheit in bergender arbeit an meinem weltumspannenden Lesebuch: ich nahm auf sinnsprüche der sumatraischen Batak, feuerwerksgedichte der Geishas, arabische anekdoten, tiefste chinesische Staatsweisheit, asäerbaidschanische lieder, türkische Urkunden, und so fort und in alle fernen. Jetzt droht ruhe weil kein farbband mehr … 4. Januar 1955  …war um 8 schon wieder auf und lernte Provencalisch, lese Marcabru und Ventadorn; 3 Tage im Bett mit japanischer Kunst: Sharaku - kaufte mir für 35 Mk ein notwendiges Werk ‘Das Weltbild der Naturwissenschaft’ mit vielen Bildern, um ganz klar zu sehn in Physik, Biologie, Urgeschichte, Sternkunde. … Meinen Heraklit will ich noch ändern, vorerst mehrere Tage nur lesen. ..26. April 1949 Kein Reich der Erde, das ich nicht durchmaß… Ich schreibe jetzt nur meine eigensten Sprüche und Verse, Studien und Fragmente - gestern über Paläontologie, meine alte Leidenschaft, den Gliedbau der Schöpfung oder den Ansinn ihres verborgenen Planes - dann endlich meine jahrelangen Wanderungen mit ihren weiten Erfahrungen, eine Flut von Bildern, die ich alle doch wieder zurückfluten lasse in den unausforschbaren Ungrund. Denn nur das ist mir Kunst und ein Leben wert, das in sich selbst das Ewige hat, das Welteninnesein und Weltgeheimnis, den Äther oder wie der Osten es im Schleier nennt: die Blume. …..3. Januar 1952    Einziger Gewinn, dass ich wieder lesen kann: Taulers Collationes in der Urfassung, Heinrich von Nördlingen und die Ebner leiste ich grade. Und schreibe in schlafarmen Nächten ganze Hefte neuer und scharfgefasster Gedanken, die, aus jahrelanger Felsenklamm befreit, ein gewaltiges Hinstürmen zur Vollendung  erhoffen lassen ….1920/21 .Ich habe was ganz Sonderbares gemacht was noch nie ein Mensch gemacht hat. Sie müssen beide sich das mal besehn - es ist nicht Musik nicht Bild nicht Schrift - es ist Mathematik mit Hilfe einer arabischen Nachtigall.  ….1. April 1953  Nun führe ich seit 1907 Wetterbuch .8. November 1948 .Ich erschrak fast, aus Ihrer Hand den Namen Dschagga zu lesen - habe ich doch hunderte von Weisheitssprüchen dieses Volkes in mein Afrikanerbuch beigetragen und ihre Kerbstocklehren verwertet in meiner noch nicht ausgeformten schwierigen Arbeit über den ‘Stab’..  .24. April 1961….Ich lese (mühsam) die einfach unglaublichen 3 Bände ‘Stammeslehren der Dschagga’. von Bruno Gutman in der Reihe ‘Arbeiten zur Entwicklungspsychologie. Band 12 (1932), 16 (1935), 19 (1938). Was würdest du wohl dazu sagen??? Nie habe ich ein so merkwürdiges Buch gelesen!!..Ende 1922 .. Ich sitze täglich 8 Stunden auf der Bibliothek und lese. Meine Meteorologische Arbeit ist mit 10080 Daten abgeschlossen, jetzt lerne ich Seismologie und bearbeite alle Erdbeben seit 1500. Ich hatte grosse Angst davor und dachte ich würde es nie vollenden. Aber ich habe die 26 Regeln die ich aufstellte ohne noch im Stoffe heimisch zu sein bisher bei jedem Falle bestätigt gefunden! Alle Wissenschaften kommen in neue Sättel und die getrenntesten Pläne schieben sich in eins zusammen, dienen sich und bilden den vollendeten Welt-Leib …28. November 1955  Arbeiten oder Versuche über über Sprache und Völkererkenntnis   Mitte Dezember 1955.  Das Fußballspiel beschäftigt mich seit langem, bis ich jetzt am Beweise bin, dass es zu den Spaniern kam von den Maya, ein uralter Sonnenkult. Die heutigen Regeln, so das Verbot der Handberührung, schon dort gültig. Bei den Maya gab es übrigens eine Göttin des Selbstmords - er galt als Gnade und Ehre.  Entzückende Rätsel aus Afrika schrieb ich gestern auf, etwa: Eine  Antilope,   die  sich  schlafen  legt  und  immer  wieder  aufgescheucht wird. »Die Tür.« - Eine junge Magd, die immer wieder verheiratet wird und wieder geschieden. »Der Kochtopf.« ….Dezember 1955..   Ich schreibe mein insgesamtes Lebenswerk auf, zunächst meine fast unüberschaubaren Übertragungen und Nachdichtungen aus allen Zonen und Kulturen und Sprachen der Erde, das Meiste davon bisher nur ganz wenigen Gelehrten bekannt, doch von der ersten Schönheit und Bedeutung, eben bin ich bei den Maya, Azteken, Tolteken und Totonaken…5. Januar 1931  Mein erstes Südseebuch ist fertig, die weiteren werden folgen ..Januar/Februar 1957  Bei dieser Gelegenheit las ich - heute nacht - 3 Bände Galenos in deutscher Übersetzung, erstaunlich über Säuglingspflege und Heilgymnastik. ……5. Januar 1931 - kam ich zu Mickiewicz und erinnerte mich plötzlich ganz daran dass ich, in Masuren aufgewachsen, ja polnisch früher kannte als deutsch. So las ich im Sommer viel polnische Geschichte und schrieb darüber. Auch ist Cyprian Norwid, dessen Werk verschollen ist, mir eine unerwartete ressource gewesen. Sonst hatte ich den Portugiesen Camoens wieder vor, aber auch bald hinten. Berkeley (Siris, Theory of Vision) und Heinse sind unvergesslich. Von den neueren lese ich nur Memoiren. Meine jahrelangen und nie zur Ruhe kommenden Studien in Fonetik konnte ich in einer eigenen Welt-Laut-Schrift endlich niederlegen die ich in meinen Arbeiten gleichmässig anwende. Diese Wissenschaft verwendet merkwürdige Fachworte, z.B. »zerebraler Schnalz«. Prof.Rousseloh untersuchte die Bewegungen seiner Zunge mit Gummibirnen und schrieb ein 200 Seiten starkes Werk um festzustellen dass pi und pu länger sind als pup und pap. Oder es heisst: »Gutzmann und Flatan sahen bei einem 13jährigen Jungen, während der Gaumen sich hoch zog und unter scharfer Anlegung des Gaumensegels eine steile Hochkuppelung bildete die Gaumenbögen mit den Mandeln sich aneinanderschliessen und den Kehldeckel tief herabgehn.« ….12. Januar 1948.  Meine Sprüchesammlung ist unbeschreiblich, sicher eins der merkwürdigsten und reichsten bücher die es gibt, ich nahm unerhört tiefsinnige indianische berichte auf, von einem jüngling, der jahrelang in die einsamkeit ging, unter felsen, fastend und sich kasteiend, um Gott zu schauen, er offenbarte sich ihm viermal, aber es war der falsche Gott - da drang ein strahl in seine höhle und redete mit ihm, und so empfing er die Wahrheit im lichte. Dies geschah 1900 und ist überliefert, niemand kennt es. Und herrliche arabische sufische Sentenzen und was nicht alles, nur nebenher.. ….Februar 1959   Bei mir war neulich ein berühmter Literat und war so entsetzt über meine totale Unkenntnis und Weltfremdheit, sprach über Enzensberger, die Bachmann, ich kenne diese Größen nicht, aber ich las ihm meine Geschichte der Suahelidichtung vor und mein Essay über altindische Mathematik und über geistigen Gehorsam im Konfuzianism, er floh und ich war sehr allein und mein Gewissen wie eine Sonne…26. Juni 1962  Heute früh trug ich kleine Sätze ein aus einem arabischen Lehrbuch für Handelswesen, völlig unbekannt, 9. Jahrhundert. Quelle? ‘Sitzungsberichte der physikalischen (!) Sozietät zu Erlangen’, Band 43. 1904! …2. April 1966..Unzählig viele Sprachen galt es zu erlernen, denn mein Ehrgeiz war, immer eine wortwörtliche Übersetzung einer dichterisch freien Übertragung gegenüberzustellen. So erschloss ich erstmals die erhabene alt-irische Bardendichtung oder die seltsame Dramatik der sibirischen Wogulen (einziges primitives Volk, das Theater spielt). Usw usw…..eine erste General-Inventarisation unserer Landschaft - was sich in vielvielen Mappen niederschlug mit Studien und Notizen, darunter Beiträge zu einer Häusergeschichte von Kassel oder zur Personalgeschichte des Reichskammergerichts zu Wetzlar, auch zur Erforschung der Wüstungen, der im Mittelalter untergegangenen Ortschaften, eine Disziplin, die auf meine Anregung hin Professor Mortensen, der Göttinger Geograph, erst aufgebaut hat ..17. Oktober 1957.  Zuletzt habe ich köstliche tschagataische, ost-turkestanische Poesien und meine irakischen Erotika beigetragen. Ein großes Lied: »Von dem Feuer meiner Schmerzen brennt der Strom des Paradieses« - ich schreibe es Ihnen ab, bin ich wieder daheim. Bald. Wenn ich 3 Tage nicht arbeite, werde ich verrückt. … November 1957  Eine kurze Geschichte von Akka war zu Freidank noch nachzutragen und gab mir Gelegenheit zu einem plastischen Entwurf über Friedrich den zweiten, den ich ganz anders sehe, wahrscheinlich falsch, er will auch nur falsch gesehn sein…..20. April 1958  Ich habe hochsälig Großes geschaffen, einen schneidigen Essay über Heinrich von Morungen geschrieben, der hier alle (alle, es sind kaum 3) fasciniert hat - dann den Imra’al-Qais eingetragen und kommentiert, Ahnherr aller Dichter, drittens indische Musik aus dem 2. Jahrtausend vor Chr. aufgenommen, 4. aus einer persischen Chronik den Tod Timurs 1405, des neben Hitler größten Unholdes der Geschichte. 5. aus einer annamitischen Chronik sehr tiefe Gedanken über Völkerfrieden (von 1300!) und über die Verschiebung der königl. Krone durch ein Erdbeben und dessen Wiedergutmachung durch Opferung von Quitten u. Sandelholz - 6. etwa 50 Sprüche der Schambala-Neger eingetragen (»Trug, Trug - das ist Medizin. Die Leuchte des Inneren - das ist Heilkunst.«) - 7. reizende Gedanken über das Deminutiv geschrieben.. Gelesen habe ich viel Mongolisches, z. Teil in den Texten mit Grammatik u. Wörterbuch….3. September 1957  Ich kehre nun zu meinem Werke zurück mit festem Plan für diesen weltbedeutsamen Monat: will die Iren-Gesänge schnell aufschreiben, dann den Kommentar schreiben zu Klopstocks »Zeitvertreib-, dann nach den eben wieder erhaltenen Texten der Ewe-Neger-Bardiete, 1930 in Hamburg ausgearbeitet, durchsehn, bessern und neu und anders notieren, die z.T. sehr ähnlich unserer Minnesänger-Musik (Melodien Reinmars und Burckharts von Hohenfels), oratorisch - da nie für Leserkreise veröffentlicht, hochwichtig auch als Vergleich geistiger Situationen bei verschiedenen Rassen über Jahrhunderte hin, zudem von der ersten Schönheit; dann meine Uralgesänge einschreiben (die ich Ihnen vorspielte), für mich letzte Lieder der Seelenfindung; dann einen langen Kommentar zu Donoso Cortes und Stellen aus dem »Abfall vom Abendland« in spanisch und eigener Übersetzung. Soweit die nächsten Wochen …..19. Oktober 1954  Ich komponierte 5 Klavierstücke, monodisch, ohne Harmonien, mit 3 Fingern zu spielen! … 5. August 1961  Wenn ich lange schwieg - weil ich ins Ungeheure und wirklich Große Bleibende Worte geschaffen habe: mit meinen ganz neuen Übertragungen der philosophischen Hymnen aus den Veden habe ich, wesentlich in den weltweit ausgreifenden, ins Letzte und Tiefste dringenden Kommentaren, das Schönst-wertvollste vor mich gebracht, was mir im Leben gelungen ist, den Kanon meines weltvertrauenden Glaubens, mein Lebens-Ja damit weit deutlicher wie in einer Inschrift verkündet, in Worten dargelebt als ichs je in Fragmenten oder geistreichen Monologen hätte tun können - seit 1924 bemühe ich mich um RigVeda und AtharvaVeda, die mir immer die heiligsten Schriften der Menschheit waren, (Sanskrit lese ich ziemlich rasch,)  …Ich berühre die Sphären   28. Januar 1952 .Ich las viel Indisches - wieder mit Unbehagen,- diese Welt bleibt mir peinlich, und ich sehe (und will dies auch dartun) darin nur einen Geringes - die bunten und giftigen Abwässer - von Weisheit und Kunst. Das wortreiche Schwärmen von der All-Einheit ist ein zu grandiosen Cumulus-Wolken hochgetriebenerdonnerter Flach-Sinn. »Metaphysik« war mir immer entbehrlich. Ich liebe die Phänomene und glaube nicht, dass noch viel »dahinter steckt« ...8. August 1956: Ich schreibe jetzt meine Übertragungen von Liedern der Bhil ab, eines indischen vorarischen Altvolkes, die einen wunderbaren Glanz haben und alle Farben und Düfte der Tropen. Dann die völlig unbekannten Gedichte des Li Yü, die ich wörtlich aus den Texten übersetzte, ohne sie schmeichlerisch oder heuchlerisch unserer gewohnten Manier anzupassen … Mitte Januar 1955  Dann überflog ich einige Jahrgänge astronomischer Zeitschriften, das war aufregend und nur märchenhaft, suchte auch mit dem Fernstecher nach meinem Tabulae coelestes die besprochenen Partien gleich ab und erschauerte, mit eigenen Augen durch Millionen von Lichtjahren reisen zu können im Nu - ja, ich versenkte mich in überriesige Welten, die schon längst nicht mehr existieren! Es wurde ein Doppelstern V 382 Cygni neuentdeckt mit der Wahnsinns-Geschwindigkeit von 710 km/sec, und einer Helle 35000 mal über der Sonne! Dieser Stern wird zeitweise bedeckt von einem nahen Begleiter und verändert sich bei seiner Annäherung zu einem Ellipsoid! Noch seltsamer - und ich sah ihn - ist Aurigae, der 700 Tage lang von einem Riesenbegleiter und Dunkelstern bedeckt wird, aber durch diesen hindurchscheint!! Es ist überhaupt sinnverwirrend sich  vorzustellen…. 24. Juli 1940   Es ist schon ein ungeheures Welt-Bild, das ich male, allumspannend und alles lösend. Butter ist ein griechisches Wort: bu (Kuh) - turon (Quark). Das deutsche Wort heisst: der Anke.. Arbeit heisst orbo-id = »Knecht-Werk«, die freien Germanen arbeiteten nicht, nur ihre Sklaven.. Im Dänischen wunderte mich immer das Wort lalgen für Arzt; es ist das alte germanische laron, heilen; Arzt ist griechisch = archiatros = Erzheiler; archi wie in Archi-episcopus Erzbischof. Das alte Wort ist erhalten im Namen Lachmann und Lachner = Heilkundiger. . Ich fand endlich Literatur über die Sprachstämme, von denen alles herleitet. Wurzel  »an«wehen, davon anemos (griech. Wind, Anemone), anima (Seele, animalisch), ond (nordisch, dänisch: Geist), Äsen (Götter), Ahnen dgl. Sehr tief!.. Lese viel über Wetzlar, meine besondere Lieblingsstadt u. bringe die merkwürdigsten Funde zus. Im Museum dort bezaubernde Schattenriss-Sammlung, darunter auch die 3 grossen Wetzlarer Nettelbladts… Endlich ist der schwarze Nebel entdeckt in Nähe der Sonne, durch den diese vor 5 Millionen Jahren lief mit ihrem System, wodurch Abkühlung und die vielen Eiszeiten, zwischen denen wir uns befinden. Zu lesen in englischer Zeitschrift für Astrophysik 1936.. Auf Steinen am Edersee sieht man Spuren von 80 m hoher Flutwelle, damals war der Mond nahe der Erde, der Tag sehr kurz, riesige Ebbe-Flut. Die allerneuste geolog. Literatur ist einfach fascinierend für mich zu lesen bei unserer Ortskenntnis!! Du wirst noch Wunder über Wunder erleben, Liebste!….. Ostern 1949.  Meine Schrift über die Religion der Kagaba in Colombia ist fast vollendet    …   Ich konnte eine große tiefdringende Abhandlung über den ›Mythos‹  noch beenden in einer ganz anderen Gewichtslage als die üblichen und fragwürdigen Meinungen der Gelehrten, vielleicht kann nur ein Schaffender und Dichter in diese Geheimnisse dringen. … Anf. Februar 1940…Meine Geschichte der Astrologie ist in Arbeit …. 4. Februar 1941… Dass man  in den Nativitäten der Lebenden soviel vorausahnt, schauen muss, ist mir selbst immer wie Frevel! Man darf die Astrologie. garnicht geheim genug behandeln. Übrigens ist meine Art das Horoskop zu stellen, zu zeichnen, zu deuten eine ganz eigene, wie ich überhaupt grosse Entdeckungen gemacht habe, technische und divinatorische, die ich noch keinem Menschen mitgeteilt! Ich habe aber auch von den Quellen her diese Disciplin gelernt, arabisch und babylonisch gelernt und die insgesammte lateinische und mittelalterliche Literatur durchgeformt, oft grandiose tiefsinnige Monstra universaler Denker, in Leipzig benutzte ich Morins Thema mundi mit eigenhändigen Notizen Kaiser Rudolfs II!  ..4. Februar 1957..  WAS ICH GRADE BEREITSTELLTE:  Mein Werk kam sehr voran, ist aber so übermenschlich schwer, dass ich nicht weiß, ob ich es schaffe.  Ich habe seit dem 1. Januar 1957 laut meines Ausweisbuchs 198 Bücher gelesen und 36 Zeitschriftenbände. Unter »Zwangsversteigerung« brachte ich das Protokoll über den Hausrat des Alkibiades nach s. Hinrichtung. Unter »Heilerde« einen Bericht des Korsaren Piri aus dem türkischen Segelhandbuch von 1520 (»lemnische Erde« mit genauem Kommentar über den Haiphestos-Kult). Ferner habe ich von meinen 333 Maltaliedern leider nur wenigstens 40 aufgenommen, ferner etwa 40 lappische Melodien und Zaubergesänge (an das Nordlicht, das Moorhuhn, die rechte und linke Seite, den Regierungspräsidenten dgl); sehr wichtig und für mich ganz neu waren kostbare unbekannte italiänische und portugiesische Dichter, die ich nur im Text bringe mit eigener wörtlicher Übertragung im Kommentar, so Boiardo, Camoes, Foscolo, Cecco, Carducci, Basile (Vulkanausbruch) vor allem Ariosto, von dem ich eine gewaltige Canzone auswählte. Ich musste italiänisch u. portugiesisch dazu erst lernen! Dann mehre neugriechische Freischärlerlieder, unsagbar schön, die ich mühsam  phonetisch übertrug und wie alles zierlichst aufschrieb. Jetzt kommen meine Uitotogesänge, die schwer aus dem geschlossenen Zusammenhang zu lösen sind und die ich völlig anders deute als damals (vor 26 Jahren), aber wer soll das heute noch verstehn?? Dann meine Palästinachöre, die ich z.T. mit Texten ganz neu aufschreibe. Unter »Unterricht in Mathematik« bringe ich Verse von V. Hugo aus den Contemplations. Unter »Hochhaus« einen Aufsatz von Gogol (!!). Mir ist sehr wichtig, dass du dir für 1 Mk. 50 das letzte Heft der amerikanischen Zeitschrift »Perspektiven« (Nr. 16, Heft 1956; Zschrift geht ein) kaufst und darin den Aufsatz liest über Ezra Pound, und zwar ohne Unterbrechung von A bis Z. Du wirst schon verstehn, weshalb mir das wichtig ist… Sommer 1945 Ich lebe jetzt völlig zurückgezogen nur meinem Schaffen und mache alles druckfertig was ich in diesen Gefängnisjahren geschaffen habe - Bücher über Bücher. Ich schreibe jetzt grade meine chinesischen Werke ab, leider mangelt Papier. Das Chinesische erfüllt mich mehr als je. Ich übersetze neu und zum erstenmal ins Deutsche den Juristen Döng Dsi (700 v. Chr.)..5. November 1942:  Ich bin sälig tief in der Arbeit, an der Abschrift des Laudsi in der Endfassung, am Sun dsi >Kunst des Krieges”, schrieb zahlreiche neue Fragmente über französ. Sprache, las weiter Mallarme und ein Werk über die Eingeweide als Symbol…9. Januar 1957. Wieder in vollem Fluge über Weltmeere, Anden und Alpen - trotz wütiger Schmerzen durch ein Geschwür unter der Zunge. Die Auswahl zu treffen aus meinem Maltabuch  u. Uitotobuch  war schwer, von 333 Maltaliedern nur 41! Dann unter  ›Liebesnacht‹ ein sinnverwirrend schönes langes Poem von Ariosto in Text u. Übertragung, ferner erlesene Verse von Boiardo, Cecco Angolieri u. Foscolo, alles unbekannt, von Gogol (!) Worte über Hochhäuser u. Städtebau, von Camoes eine am Kap Guardafui gedichtete Kanzone von großem melodischem Atem, eine sehr schwierige ägyptische Inschrift über Kreditgeschäfte, die ich früher missverstanden habe, dann 24 lappische Melodien und Sprüche von der ersten Schönheit!…..30. Juni 1940  Ich bin nichts als ein Phantast, Tagedieb, Betbruder, Bettelmann - verachtet zu Lebzeiten wie ichs will, aber von meinem Atem werden noch Generationen zehren!! ..  - Hans Jürgen von der Wense, Von Aas bis Zylinder, Bd. I. Frankfurt am Main 2005

via physiologus

cavernedeplaton:

installation Serge Pietri
saladefolle:

jmeijide: chapelle of notre-dame-du-haut . ronchamp . model . le corbusier . 1955
mitjaissick:

Fernanda Gomes, Untitled, 2013, wood, paint, 21 x 25.6 x 15 cm
fliegender:

Gerhard Richter, Verwaltungsgebäude (Administrative Building), 1964. Source via vostokproject
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